Die Perlen-Sticktechniken der nordamerikanischen Indianer:
Lazy Stitch oder Parallelstich:
Dieser Stich wurde wahrscheinlich wörtlich "Faulenzerstich" genannt, weil er einfacher und schneller große Bereiche abdecken kann als die Varianten des Appliqué-Stiches. Der Begriff "Faule Squaw Stich" wurde niemals von den Indianern selbst benutzt oder akzeptiert und ist verpönt. Um eventuelle Irritationen vorzubeugen, könnte man als Alternative den Begriff "Parallelstich" einführen, der sich auf die typischen parallelen Reihen bezieht (Vorschlag von David W. Penney in "Indianische Kunst Nordamerikas") .Der Stich selbst ist nur eine Variante, eine Fläche mit Perlen zu bedecken und ist nicht weniger faul als andere.
Der Stich ist besonders in den Prärie- und Plains-Gebieten verbreitet. Für die geometrischen Muster der Plains-Indianer oder flächendeckende Hintergrund eignet sich diese Technik besonders gut. Jede Reihe besteht aus 5 bis 10 Perlen, die parallel zueinander liegen und eine charakteristische Bogenform annehmen.
Arbeitsanleitung:
Zur Hilfe können die Reihenlinien mit Bleistift vorsichtig auf das Leder aufgezeichnet werden.
Als erstes wird ein Knoten ans Fadenende gemacht und die Nadel auf der Ledervorderseite ausgestochen. Dann werden 5 bis 10 Perlen aufgenommen (die Anzahl muß immer gleich bleiben), die auf das Leder aufgelegt werden. Die Nadel sticht ins Leder ein und kommt ein wenig weiter wieder heraus. Die nächsten 5 bis 10 Perlen werden aufgenommen und auf das Leder festgenäht, indem die Nadel auf der gegenüberliegenden Seite ein- und wieder ausgestochen wird. Diesen Vorgang wiederholen bis die Reihe fertig ist. Dann die nächste Reihe beginnen, usw.
Eine Variante des Parallelstiches nennt sich Crow Stich (oder modifizierter Lazy Stich), da besonders die Crow-Indianer diese Technik benutzt haben.
Hier werden soviele Perlen aufgenommen, wie 3 oder 4 Reihen benötigen, bevor die Nadel wieder ins Leder gestochen wird. Das wird solange wiederholt bis das Projekt vollständig bedeckt ist. Danach wird der Faden zwischen den Perlenreihen an der Stelle der ersten Reihe über diese gelegt und mit einem Überfangstich befestigt (siehe Abbildung Crow Stich).
Überlegstich oder Appliqué-Stich:
In der Geschichte haben fast alle Nationen des Nordamerikanischen Kontinents diesen Stich benutzt, im Gegensatz zum sogenannten Lazy Stitch (fälschlicherweise "Faulenzerstich" genannt), welcher hauptsächlich nur westlich des Mississippi benutzt und gen Norden selten bis kurz hinter die kanadische Grenze verbreitet war. Erst mit dem heutzutage großen Einfluß der Sioux Nation auf das indianische Leben konnte sich der Lazy Stitch in allen Teilen des Landes verbreiten. Nicht selten kommen beide Techniken kombiniert in einer Perlenarbeit vor.
Der Überleg-Stich (oder auch Appliqué-Stich genannt) eignet sich besonders für geometrische Designs und ist die bestmögliche Methode, die Kurvenlinien der floralen Motive des Waldlandes zu perlen.
Ein einfacher aber starker Faden hält die vielen Perlen am Platz (traditionell wurden Sehne verwendet, heute Nymo D). Das Design wird häufig direkt auf das Leder vorgezeichnet (Rückseite).
Es gibt drei verschiedene Stich-Varianten:
Den Punkt Stich, den Laufenden Stich und den Rückstich. Die Verwendung ist abhängig von dem Verwendungszweck der Perlarbeit und der persönlichen Vorliebe. Der Unterschied liegt auch in der Verwendung von einer oder zwei Nadeln (Punkt- und Laufender Stich).
Der Punktstich:
Einen Knoten in ein Ende des Arbeitsfaden machen und die Nadel aus dem Leder herausstechen. 2 oder 3 Perlen auf die Nadel nehmen und auf das Leder legen. In den Faden der zweiten Nadel ebenfalls einen Knoten machen und die Nadel direkt neben der letzten Perle ausstechen. Diesen Faden über den ersten mit den Perlen legen und wieder ins Leder einstechen. Die nächsten 2 bis 3 Perlen mit der ersten Nadel aufnehmen und diese Schritte wiederholen.
Bei sehr feinen Arbeiten oder bei scharfen Kurven wird nur eine Perle aufgenommen und aufgenäht.
Der Laufende Stich:
Der einzige Unterschied zum vorigen Stich ist, daß auf den ersten Faden alle Perlen aufgenommen werden, die für diese Reihe gebraucht werden und der zweite Faden danach alle 2 bis 3 Perlen auf das Leder näht. Wenn viele Perlen der gleichen Farbe in einer Reihe aufgezogen wurden, kann der zweite Faden auch bloß alle 4 oder 5 Perlen aufnähen.
Der Rückstich:
Hier wird nur eine Nadel und ein Faden benutzt.
Als erstes den Faden knoten und dann die Nadel durch das Leder nach oben bringen. 2 oder 3 Perlen aufziehen und auf das Leder legen. Die Nadel durch das Leder stechen und vor der zuerst aufgezogenen Perle wieder herauskommen. Mit der Nadel noch einmal durch alle Perlen gehen und den Faden gut festziehen. Danach die nächsten 2 bis 3 Perlen aufnehmen und den Vorgang wiederholen. Es gibt einige Variierungsmöglichkeiten: Die Anzahl der aufzunehmenden Perlen variieren oder der Stich braucht nicht immer durch alle Perlen zurück gehen.
Die Vorteile dieses Stiches sind die Festigkeit im Gegensatz zu den anderen Techniken, und daß bloß eine Nadel benutzt wird. Der Nachteil ist die relative Langsamkeit, mit der die Arbeit voranschreitet.
(Quelle: Eigene Übersetzung und Bilder aus Monte Smith, The Techniques of North American Indian Beadwork, 1983)